Was ist für die Geflüchteten auf der Suche nach einer Arbeitsstelle besonders wichtig? Wir haben 23 Flüchtlinge aus Syrien, die bereits einen Job in Deutschland gefunden haben, interviewt, um von Ihren Erfahrungen zu lernen. Die Erfolgsfaktoren einer gelungenen Integration in den Arbeitsmarkt lassen sich demnach in drei Phasen aufteilen: Vorbereitung, Personalauswahl und Einarbeitung/Arbeitsalltag.

Erfolgsfaktoren bei der Vorbereitung auf eine Bewerbung

Während des Bewerbungsprozesses waren vor allem persönliche Kontakte in Deutschland eine große Hilfe für unsere Befragten. Auf der Suche nach geeigneten Stellen unterstützten diese Kontakte dabei, Ausschreibungen zu finden und stellten oft einen ersten Kontakt zu Unternehmen her – ein Aspekt, der aufgrund von Sprachbarrieren nicht zu unterschätzen ist. Viele Geflüchtete, vor allem Nicht-Akademiker, besitzen außerdem oft keine Zeugnisse oder Lebensläufe, die den gängigen Kriterien entsprechen. Auch hierbei können Kontakte helfen. Des Weiteren wissen viele nicht, welche Unternehmen für ihre Qualifikationen überhaupt relevant sein könnten. Ein Syrer (33) wünscht sich daher klare Hinweise und Tipps aus seinem Umfeld, die die Suche und Kontaktaufnahme zu potentiellen Arbeitgebern verkürzen: „Mein Rat ist: Geh in die Schule, wo es Deutschkurse gibt, die sagen, wir brauchen Elektriker, die brauchen Maurer, wir brauchen das und das und das.”

Viele Flüchtlinge haben Praktika absolviert, um ihre fachlichen Qualifikationen in Deutschland zu beweisen. Allerdings fehle es an speziellen Integrationsprogrammen, zum Beispiel im Rahmen einer verkürzten Ausbildung, um notwendiges Wissen nachzuholen und gleichzeitig eine offizielle Bescheinigung in Deutschland zu erhalten: „Ich habe einen Freund, der arbeitet als Automechaniker. Es ist schon 40 Jahre alt. Wenn er einfach eine Ausbildung machen könnte, so für sechs Monate, damit er die Sachen lernt, die er noch nicht kann… Das würde ich mir von einem Unternehmen wünschen, das man eine Ausbildung oder ein Praktikum machen kann, was kürzer ist, damit man so schnell wie möglich mit der Arbeit und dem neuen Leben in Deutschland anfangen kann”, sagt ein junger Mann aus Syrien (29).

Erfolgsfaktoren bei der Personalauswahl

Bei der Personalauswahl waren unsere Befragten besonders in den Bereichen erfolgreich, in denen sie über Schlüsselqualifikationen verfügen, die deutsche Bewerber seltener mitbringen. Im Gegensatz zu ihrer Konkurrenz waren sie außerdem häufiger bereit, bei Engpässen, wie zum Beispiel der Ausfall einer anderen Arbeitskraft, einzuspringen und sind über diesen Weg einen Job zu bekommen.

„Der Arbeitgeber hat mir gesagt, wir brauchen jemanden, der Arabisch sprechen kann“, sagt eine junge Syrerin (25). „Ich habe von mir erzählt und darüber, was ich kann und, dass ich ein Vorbild für die anderen Flüchtlinge sein könnte, weil ich die Schwierigkeiten verstehe“, sagt eine andere befragte Syrerin (29).

Erfolgsfaktoren bei der Einarbeitung und im Arbeitsalltag

Um ihre Zukunft sicherer gestalten zu können, war es den Flüchtlingen wichtig, eine langfristige Perspektive im Unternehmen zu haben. Diese kann der Arbeitgeber zum Beispiel durch Weiterbildungsmöglichkeiten aufzeigen, die er finanziell fördert.

Kulturelle und sprachliche Hürden schnell zu überwinden und das mit Hilfe von Sprachkursen, interkulturellen Trainings und der Arbeit in gemischten Teams, war für die Befragten ein weiterer wichtiger Aspekt bei ihrer Einarbeitung und in ihrem Arbeitsalltag. Im Allgemeinen haben sie die Arbeit im Team besonders geschätzt – so konnten die Geflüchteten ihre Kolleginnen und Kollegen besser kennenlernen und gleichzeitig fachliches Wissen austauschen.

Ein zusätzlicher Faktor für eine erfolgreiche Einarbeitung war die Integration in das soziale Umfeld. In der arabischen Kultur sind die Grenzen zwischen geschäftlichen und privaten Beziehungen beispielsweise meist fließender als hier in Deutschland. Daran mussten sich unsere Befragten erst einmal gewöhnen: „In Deutschland ist es schwieriger, gute Freunde zu finden, als zu Hause. Ich habe einige Freunde, aber das fühlt sich nicht so echt an wie bei meinen alten Freunden – eher eine Arbeitsbekanntschaft. Man geht zur Arbeit und danach hat man sein eigenes, getrenntes Leben. Manchmal trinken wir zusammen ein Bier, aber mehr nicht”, sagt ein Syrer (30).

Auch sollten Unternehmen mögliche post-traumatische Belastungen der neuen Angestellten nicht ignorieren und auch hier eventuell bei der Suche nach einer Lösung unterstützen: „Viele haben auch Probleme in der Familie. Die arbeiten zwar sehr gut, aber wegen dieser Probleme können sie sich bei der Arbeit nicht konzentrieren”, sagt ein anderer befragter Syrer (33).

Zusammenfassung

Die von uns befragten Flüchtlinge berichteten sehr motiviert von ihren Jobs und empfinden sich ihrem Arbeitgeber gegenüber sehr loyal. Sie bringen oft wichtige Arbeitserfahrungen mit, die für die Unternehmen sehr wertvoll sein können. Im Durchschnitt haben unsere Befragten innerhalb von etwa acht Monaten nach Erhalt ihrer Arbeitserlaubnis einen ersten Job in Deutschland gefunden.