Wie gelingt eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen in Unternehmen?

Auf welche Herausforderungen stößt ein Unternehmen, wenn es Flüchtlinge in seinem Betrieb aufnehmen möchte? Wir haben 16 Experten dazu interviewt und die verschiedenen Schwierigkeiten und Hindernisse in vier Phasen eingeteilt: Vorbereitung, Personalauswahl, Einarbeitung und Arbeitsalltag.

Vorbereitung

Bevor unsere Befragten Flüchtlinge in ihren Unternehmen angestellt haben, sahen sich viele vor allem mit Bedenken und Vorurteilen der eigenen Belegschaft konfrontiert. Um die Angestellten für das Thema zu sensibilisieren, sei es daher hilfreich gewesen, schon im Vorfeld zu erfühlen, wie die Stimmung unter den Mitarbeitern ist und wie offen die Belegschaft für Neues zu sein scheint. Dieser Prozess könne durch eine klare und transparente Kommunikation, aber auch mit Hilfe interkultureller Schulungen unterstützt werden. Es gilt also, schon im Vorfeld dafür zu sorgen, kulturelle Vielfalt in der Unternehmenskultur zu verankern und somit passende Rahmenbedingungen für die Integration von Geflüchteten zu schaffen.

Auswahlphase

Um möglichst viele potentielle Bewerber zu erreichen, haben unsere Befragten neben ihren üblichen Anlaufstellen vermehrt auch Schulen, Initiativen und Behörden in ihre Suche nach geeignetem Personal eingebunden. Eine besondere Herausforderung war hierbei die verlässliche Einschätzung der Kompetenzen der Bewerber, da häufig sprachliche Barrieren eine Beurteilung erschwerten.

Die Befragten haben daher die Fähigkeiten der Geflüchteten mit bestimmten Tests geprüft, die keine oder zumindest kaum deutsche Sprachkenntnisse voraussetzen. Diese haben sie durch verschiedene Praxisphasen, wie etwa ein Praktikum oder ein Probearbeiten, ergänzt: „In dem Praktikum kriegt man ein Gesamtbild an Arbeitshaltung, praktischem Talent, theoretischem Hintergrundwissen, Sprachkompetenz und Schreib- und Lesekompetenz“, sagt ein Manager aus einem Versorgungsunternehmen. Damit die Aufnahme von Geflüchteten in das eigene Unternehmen für beide Seiten einen Mehrwert hat, sollte dieses die richtige Balance zwischen fehlender Kompetenzen und bestimmten Mindestqualifikationen definieren, gerade im Hinblick auf die Sprachkenntnisse. Die Unternehmen sollten also flexibel sein, aber dennoch auf ihre fachlichen Standards achten.

Einarbeitungsphase

Für eine erfolgreiche Einarbeitung in das Unternehmen sei es am wichtigsten, dass die neuen Mitarbeiter auch Deutsch sprechen: „Neben den fachlichen Qualifikationen sind Sprachkenntnisse das A und O. Wenn man sich mit jemandem nicht verständigen kann, kann er fachlich noch so gut sein, ich kann dann einfach nichts mit ihm anfangen“, sagt ein Manager aus einem Industriekonzern. Um die Geflüchteten in diesem – nicht nur für die Arbeit essentiellen Bereich – zu unterstützen, sollten die Unternehmen Sprachunterricht fördern – gleichzeitig aber auch das Engagement des Geflüchteten einfordern.

Es sei außerdem hilfreich, bestimmte, im besten Falle erfahrene, Mitarbeiter als Mentoren und Ansprechpartner für die Flüchtlinge zu beauftragen. Alternativ können Unternehmen auch auf externe Berater, wie Sozialpädagogen oder Psychologen zurückgreifen, um die neuen Mitarbeiter mit deutschen Arbeitsweisen und dem Arbeitsalltag vertraut zu machen und mögliche traumatische Erfahrungen zu behandeln.

Arbeitsalltag

Damit nach einer gelungenen Einarbeitungsphase auch der Arbeitsalltag erfolgreich funktioniert, sollten sich beide Seiten weiterhin motiviert und engagiert zeigen. Die kulturelle Vielfalt kann beispielsweise durch ein Fest der Kulturen oder internationale Wochen in der Betriebskantine unterstützt werden. Diese Aktionen können helfen, ein gegenseitiges Verständnis für die fremde Kultur und Mentalität zu schaffen. Da aber auch hier die gemeinsame Sprache als Basis dient, müssen Sprachtrainings unbedingt weitergeführt werden.

Zusammenfassung

Trotz vieler Herausforderungen haben unsere Befragten die Aufnahme von Flüchtlingen in ihren Unternehmen durchweg positiv bewertet. Die Integration von Mitarbeitern aus fremden Kulturen habe Vorurteile in der Belegschaft abgebaut, positiv zur kulturellen Vielfalt beigetragen und geholfen, verschiedene Perspektiven für die Unternehmen aufzuzeigen. Außerdem seien die Flüchtlinge hoch motiviert und dem Arbeitgeber gegenüber sehr loyal – wertvolle Erfahrungen, die den erhöhten Mehraufwand relativieren: „Es ist ein höherer Input, den man leistet, auch monetär, aber das ist so geringfügig. Deshalb kann ich nur sagen: einfach machen. Es sind loyale Mitarbeiter“, sagt ein Manager aus einem Logistik-Konzern.