Wie kann ein Unternehmen innerhalb kurzer Zeit die wichtigsten Kompetenzen eines Geflüchteten testen? Diese Frage haben wir anhand von Experteninterviews und einer umfassenden Literaturrecherche geprüft und empfehlen, eine angepasste Kombination aus verschiedenen – schon bestehenden – Verfahren der Kompetenzerfassung anzuwenden.

Dabei ist es wichtig, auf einige besondere Punkte achten: Die meisten Geflüchteten sprechen kaum Deutsch. Deshalb müssen die Unternehmen die Tests möglichst sprachfrei oder zumindest spracharm durchführen. Die verschiedenen kulturellen Hintergründe der Flüchtlinge sollten beachtet und rücksichtsvoll behandelt werden. Auch muss die Schwierigkeitsstufe des Tests an dem Leistungsniveau der Flüchtlinge angepasst sein.

Drei Methoden zur Kompetenzerfassung von Geflüchteten

Aktuell konnte die studentische Forschungsgruppe drei Methoden identifizieren, die diese besonderen Kriterien erfüllen:

  1. Kompetenzkarten der Bertelsmann Stiftung
  2. Talent Q Test der Hay Group
  3. ICOS Test von ITB Consulting

Die Kompetenzkarten der Bertelsmann Stiftung sind ein 30-minütiges, biografieorientiertes Interview. Mit Hilfe von 22 Karten, auf denen Kompetenzen als Bilder und in verschiedenen Sprachen abgebildet sind, können die Geflüchteten von ihren Fähigkeiten berichten. Da die Ergebnisse aber ausschließlich auf der Selbstauskunft und Selbsteinschätzung der Befragten basieren, leidet im Vergleich zu den anderen Methoden die wissenschaftliche Genauigkeit.

Bessere Ergebnisse liefert der Talent Q Test von Korn Ferry/HayGroup. Dieser Eigenschaftstest misst innerhalb von 30 Minuten kognitive Fähigkeiten, wie zum Beispiel verbale, numerische und logische Kompetenzen. Er ist online verfügbar und kostet bei eigener Auswertung 15 Euro pro Durchführung.

Der kognitive Fähigkeitstest ICOS Test von der Firma ITB Consulting ist das genauste Verfahren und am einfachsten umzusetzen. Innerhalb von 20 Minuten werden verbale, numerische, logische und andere Fähigkeiten geprüft. Der Test ist sowohl online, als auch auf Papier verfügbar und kostet je nach Anzahl der gekauften Exemplare zwischen acht und 25 Euro.

Zusammenfassung

Unsere Ergebnisse zeigen, dass der öffentliche Sektor, Unternehmen und Experten unterschiedliche Testverfahren bevorzugen: Die öffentliche Verwaltung setzt auf Interviews, also biografieorientierte Verfahren, während Unternehmen, vor allem aus dem verarbeitenden Gewerbe, lieber simulationsorientierte Methoden, wie Arbeitsproben und Praktika, auswählen. Experten hingegen halten lediglich kognitive Leistungstests für schnell und einfach anwendbar.

Zusammenfassend empfehlen wir daher eine angepasste Kombination der verschiedenen Verfahren: Damit die Ergebnisse möglichst zuverlässig, genau und auf verschiedene Arbeitsbereiche anwendbar sind, sollten Unternehmen eine Mischung aus biografie-, eigenschafts- und, wenn die nötigen Ressourcen verfügbar sind, auch simulationsorientierten Verfahren wählen.